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VIA JURA 80 15.06.2009 bis 04.07.2009

Mit meinem Stock in der Hand erkennen viele Schweizer in mir die Pilgerin. Ich werde immer höflich begrüßt und gerne hält man ein Schwätzchen mit mir.
Mein erster Wandertag in der Schweiz begann in Dornach. Von Zell bin ich mit dem Zug bis Basel SBB gefahren, anschließend mit der Tram bis Dornach.

Das Goetheanum wollte ich mir gerne mal ansehen. Ein imposanter Bau fast ohne rechte Winkel. Rudolf Steiner hatte ihn zuerst in Holz errichtet, nachdem abgebrannt ist, wurde er in Beton gegossen.

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Die Heizungsanlage
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Wenn es in die Suppe regnet und Schnecken Schleimspuren auf dem Innenzelt hinterlassen.
Gegen Mittag hat es aufgehört zu regnen und so wandere ich von Dornach nach Laufen.
Das was die Schweizer erfunden haben, wird hier produziert. Na, wisst Ihr was das ist?
Kurz vor der Stadt gibt es einen Campingplatz und just in dem Moment als ich mein Zelt aufgebaut hatte, fängt es wieder an zu regnen. Als ich mein Spargelcremesüppchen zubereite wird es mit Regenwasser tropfenweise von Oben verfeinert.
Die ganze Nacht hat es weiter gegossen und als ich am Morgen die Augen öffne, kriechen Schnecken mein Innenzelt hoch. Zum Glück verziehen sich die Wolken und da es recht warm wird auch die Schnecken. Die Schleifspur durfte ich dann entfernen.

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Wettermäßig wird es besser, es heitert sich auf.
In Laufen erhalte ich von einem älteren Herren den Tipp, den Planetenweg zu gehen. Das mache ich auch, eine interessante Wanderung. Entlang des Weges ist unser Sonnensystem dargestellt. Proportional in Größe und Entfernung zueinander. Es ist beeindruckend wie groß die Sonne im Vergleich zur Erde ist.

Die Sonne
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Erde und Mond
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Zwischen Pluto und Neptun (die äußersten Planeten unseres Sonnensystems) verlasse ich den Planetenweg und pilgere weiter nach Delemont. Da der Campingplatz 5 km in die entgegengesetzt Richtung liegt, wie ich am nächsten Tag weiter will, übernachte ich in einer Jugendherberge.

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Warum drängen die sich alle auf dem Hügel herum?
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Von Delemont folge ich dem Via Jura 80. Der Weg macht aber eine seltsame Schleife und so steige ich den Berg hinauf und folge der Beschilderung Richtung Moutie. Ganz schaffe ich den Aufstieg heute nicht. Ich übernachte auf einer Bergwiese mit einer schönen Aussicht auf das Juragebirge. Hier haben viele Schweizer ein Chalet. Abends singen die Vögel mich in den Schlaf, am Morgen weckt mich ihr gezwitscher wieder auf.

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Eine schöne Wanderung hinunter nach Moutier. Dann folge ich wieder dem Via Jura 80 Richtung Biel. Dieser führt durch eine Schlucht nach Court. Leider führt auch die Hauptverkehrsstraße und die Eisenbahnlinie durch diese schöne Schlucht. Die LKW s, Autos und Motorräder verursachen einen erheblichen Lärm. Ich merke wie mich dieser Lärm, nach den stillen Tagen, aggressiv macht. Ab Court fahre ich mit dem Zug nach Biel und richte mich auf dem Campingplatz Sutz ein, denn Wäsche waschen und ausruhen ist angesagt.

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Weiter wandere ich um das Südufer herum nach La Neuveville da das Wetter nicht so will fahre ich mit dem Zug nach Neuchatel und sehe mir die Stadt etwas an.
Gerne wäre ich vom Chasseral aus auf den Jurahöhenweg 5 eingestiegen. Leider hüllt sich dieser Berg in Regen und Nebel. So versuche ich es weiter südlich.

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In der Touristeninformation, in Neuchatel, sagt man mir, dass ich am Besten von Noiraigue aus in den Jurahöhenweg 5 einsteige. Am späten Nachmittag geht es dann von Noiraigue in die Höhe auf den Le Soliat. Von hier oben hat man eine herrliche Aussicht auf den Creux-du-Van. Leider komme ich nur einige Minuten in den Genuss denn es steigt Nebel auf und es fängt an zu regnen, dazu bläst ein eisig kalter Wind. Brrr. Hier oben gibt es eine Gaststätte und ein Massenlager. Ich entscheide mich dafür im Zelt zu übernachten. Bei 5 Grad und einer steifen feuchten Brise war an Schlaf nicht zu denken.

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Bei Nebel, Kälte und Wind geht es weiter Richtung Le Chasseron. Da auch diese Erhebung im Nebel liegt beschließe ich ihn auszulassen und nach Sainte-Croix, in der Hoffnung auf ein Campinplatz, zu laufen. Meine Füße wollen absolut nicht mehr und ich hoffe auf einen Campingplatz. Als ich auf halbem Weg aus dem Wald heraus trete sehe ich vor mir einen Campingplatz, Les Cludes heißt der Ort. Nach einer heißen Dusche schlafe ich diese Nacht im Zwiebelloock so einigermaßen. Es ist auch hier immer noch kalt und neblig und regnerisch.

Wieder die gleiche Suppe und Temperatur wie am Vorabend. Die Route nach Sainte-Croix nennt sich Route panoramique. Vor lauter Nebel sehe ich vom Panorama nichts, deshalb fotografiere ich das Schild das die Berge der Aussicht beschreibt.

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Hier gibt es mehr Kühe als Menschen und alle tragen sie Glocken um den Hals, die Kühe natürlich. Im Nebel hört man das Gebimmel unzähliger Glocken. Da ich kaum die Hand vor dem Gesicht sehe, kollidiere ich fast mit einer Kuh. Die schaut genau so überrascht drein wie ich. Wie ich hier festgestellt habe sind Kühe ganz sensible Wesen.
Dieses Wetter ist absolut nicht nach meinem Geschmack, so beschließe ich von Sainte-Croix aus mit dem Zug ins Tal zu fahren und mich in der Ebene auf Genf zuzubewegen.

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In Sainte-Croix fülle ich noch meine Vorräte auf und als ich eine halbe Stunde später aus dem Laden komme, scheint die Sonne. Also geht es weiter hinauf auf den Le Suchet. Gut dass ich es gemacht habe, denn es war eine absolut schöne Wanderung.

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Das letzte Wegstück, ca. 1 ½ Stunden hat es allerdings in sich. Steil, schmal, steinig, mit Baumwurzeln verwachsen und dazu noch feucht. Es war ein anstrengender Balanceakt. Als ich Oben ankam schwabbte mein Glückshormon über, denn ich hatte eine gigantische Aussicht. Die Anstrengung hat sich in jedem Fall gelohnt. Aber oben bleiben war nicht drin, denn es war zu windig und zu kalt. Ich steuere Vallerobe an, denn da gibt es einen Campingplatz. Nun bin ich heute schon 6 Stunden gelaufen, es ist verständlich dass meine Füße nicht mehr wollen. So überlege ich per Anhalter runter zu fahren. Als ich auf einen Parkplatz komme, treffe ich ein Ehepaar, das mich zum Campingplatz fährt. Mit dem Auto sind es 15 Minuten, zu Fuß wären es 1 ½ Stunden gewesen. Jubel, Jubel.

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In Vallorbe habe ich 3 Tage dem Regen und Gewitter standgehalten. Obwohl mir der Manager des Campingplatzes jeden Tag versprach, morgen wird das Wetter besser, flogen die Schwalben immer gleich tief. Wenn die Schwalben tief fliegen dann fliegen auch die Mücken tief, denn diese können bei einem Tiefdruck nicht hoch fliegen. Als am 3. Tag wieder die Schwalben den Mücken im Tiefflug hinterher jagten, beschloss ich mit dem Zug nach Lausanne zu fahren und die restliche Strecke des Jura zu einer anderen Zeit zu durchwandern.

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Lausanne
Ich bin ja in der Welt schon etwas herum gekommen, aber Lausanne ist mit Abstand die schönste Stadt die ich je gesehen habe. Hier gehen Altertum und Moderne ineinander über ohne sich zu stören. Jede Epoche, angefangen bei den Römern, hat ihren Stil hinterlassen und ist von Jahrhundert zu Jahrhundert gewachsen. Am Genfer See gelegen, mit den schneebedeckten Gipfeln der Alpen und den mit Reben bewachsenen Hängen im Hintergrund, war und ist sie eine reiche Stadt.
Sie hat als Olympiahauptstadt viel zu bieten, sei es an sportlichen Aktivitäten, Kultur, Geschichte Events oder Business. Es ist alles da und ich kann mich an ihrer Schönheit und Fassettenreichtum gar nicht satt sehen. Das imposanteste Bauwerk ist mit Sicherheit die Kathedrale.
Angekommen auf dem Campingplatz erkennt man mich als Pilgerin und bietet mir einen Sondertarif an. Als Gast in der Stadt erhält man von seiner Unterkunft für die Dauer des Aufenthalts ein Freiticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel. Lausanne ist die einzige Stadt in der Schweiz die eine Metro hat und die fährt ohne Fahrer. Internet (Wi-Fi) ist an allen wichtigen Plätzen der Stadt kostenlos verfügbar. Auch Fahrräder gibt es gegen ein Pfand zu leihen.

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Die Ruinen der Römer.
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Direkt daneben das IOC.
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Weiter laufe ich um diesen schönen See herum Richtung Genf.

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So langsam bekomme ich einen Tagesrhythmus.

  • Aufstehen wenn ich ausgeschlafen habe

  • gemütlich frühstücken

  • Zelt einpacken

  • loslaufen und ev. noch was zum essen kaufen

  • wenn der Magen knurrt ein schönes Plätzchen am See suchen

  • vespern

  • Mittagsschläfchen halten

  • wenn mich der Hafer sticht weiterlaufen

  • wenn die Füße nicht mehr wollen einen Campingplatz suchen

  • Zelt aufbauen, duschen, essen, ein Schwätzchen halten

  • schlafen

Ja, das Leben ist schön, es könnte ewig so weitergehen.

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In Rolle wechsle ich die Seiten. Ich fahre mit dem Boot über den See auf die französische Seite. Das wollte ich mir auch mal ansehen.
Je mehr ich mich Genf näher, umso mehr ist der See verbaut. Es ist kaum mehr möglich am direkt am See zu laufen. Alles in Privatbesitz. Jemand sagte mir dass hier das meiste Geld der Welt wohnt. Obwohl alle 3 Minuten in Genf ein Flugzeug startet und darüber hinweg fliegt. Mir wäre das hier zu laut.

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Genf sehe ich mir an einem Tag an. Es ist eine Großstadt die ich nicht besonders schön finde. Aber Schönheit liegt ja immer im Auge des Betrachters. Vielleicht war meine Erwartungshaltung nachdem ich Lausanne gesehen habe, zu hoch.
Am 4.7.09 fahre ich mit dem Bus zur französischen Grenze und verlasse die Schweiz.

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