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Auf dem Amazonas von Belem nach Yurimaguas

Amazonien vom 30.09.2010 bis 31.10.2010

30.09.2010 – 02.10.2010 Rio de Janeiro – Belem 3267 km (Bus)

In 54 Stunden fahre ich mit dem Bus von Rio de Jainero ins Amazonasgebiet nach Belem.
Ich kann auch fliegen, das dauert nur 4 Stunden, aber ich habe ja Zeit und der Umstand mit der Verpackerei meines Fahrrads und des Benzinkochers, haben mir die Entscheidung für den Bus nicht allzu schwer gemacht. Preislich gibt es kaum einen Unterschied und so sehe ich ein klein wenig mehr von Brasilien und spüre in jeder Pause den Anstieg der Temperatur, je weiter ich nach Norden komme.
Der Bus ist modern ausgestattet mit Klimaanlage und recht bequem. Wenn ich aber während der Fahrt in meinen Körper hinein horche, habe ich die Assoziation eines zusammen gefalteten Zollstocks.
Es sind zwei Busfahrer an Bord die sich alle vier Stunden mit fahren abwechseln, einmal am Tag wird der Bus inspiziert und auf etwa halber Strecke wechseln die Busfahrer.
Pause machen wir ca. alle vier Stunden, manchmal 10 Minuten, manchmal 30 Minuten zum essen, Beine vertreten oder an manchen Rasthöfen kann man auch duschen.
Unterwegs steigen immer mal wieder Fahrgäste ein und aus, manchmal im scheinbaren Niemandsland.
Während die Landschaft an mir vorbeizieht, fällt mir auf wie kontrastreich dieses Land und das Leben der Menschen ist. Ich sehe Orte die gepflegt und sauber sind, Orte die völlig verarmt sind und in denen sich der Müll entlang der Straßen sammelt. Es gibt riesige Ländereien mit stolzen Fazendas und mit Palmwedeln bedeckte einfache Hütten die sich eng aneinander reihen.
Als der Bus mit zwei Stunden Verspätung in Belem ankommt ist es schon dunkel. Bis ich mein Fahrrad bepackt habe, triefe ich vor Nässe, nicht weil es regnet, sondern weil ich schwitze. Bei geschätzten 40 Grad und feuchtem Klima, integriere ich schwitzen und kalt duschen in meinen normalen Tagesablauf.

03.10.2010 – 05.10.2010 Belem

Die auf einer Halbinsel gelegene Stadt ist das Tor zum Amazonas der etwas nördlich in den Atlantik fließt.
Wieder einmal erweist sich mein Fahrrad als geeignetes Fortbewegungsmittel um die Stadt zu erkunden. Die meisten Straßen sind mehrspurige Einbahnstraßen, ich muss nur immer auf die Busse aufpassen, die recht zügig an mir vorbei rauschen.
Mich fasziniert der Facettenreichtum dieser Stadt.

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Auch eine Möglichkeit eine Telefonzelle zu gestalten.
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Das ist ein Denkmal für die indigenen Ureinwohner.
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Der Markt entlang der Uferpromenade. Da heute Sonntag ist, geht es eher ruhig zu. Hier gibt es alles zu kaufen, auch Hängematten.
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In der Stadt gibt es sehr schöne alte Häuser, manche sind gepflegt, andere verkommen total.
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Das Theater von Belem.
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In einem Park.
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Auf dem Markt am Hafen kaufe ich für meine Weiterreise eine Hängematte. Auf den Amazonasschiffen reist man in der selbst mitgebrachten Hängematte. Die Auswahl reicht von basic, grau mit Streifen, bis zur Luxushängematte, bestickt mit Fransen dran. Da ich sie nicht allzu lange im Gebrauch habe, entscheide ich mich für die einfachere Variante.

05.10.2010 – 08.10.2010 Belem – Santarem (Schiff auf dem Amazonas)

Das Schiff soll um 18:00 Uhr ablegen, aber da ich um 12:00 Uhr schon aus dem Hostel ausgescheckt habe, mache ich mich gemächlich auf den Weg zum Hafen. Als ich beim Schiff ankomme, schaukeln die ersten Fahrgäste schon in ihren Hängematten.
Mein Fahrrad verstaue ich unten, ich hoffe es bleibt die nächsten drei Tage unangetastet. Ich suche mir einen Hängmattenplatz am Fenster aus, und deponiere meine Satteltaschen und den Rucksack unter meiner Hängematte. Während ich mich in meiner Hängematte einschaukle, schaue ich aus dem Fenster zu wie sich der Bauch des Schiffes mit allen möglichen Waren füllt.

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Gut dass ich so früh gekommen bin, denn die besten Plätze sind schnell weg. Die letzten bekommen die Plätze bei den Toiletten und Duschen oder quetschen sich irgendwo in die Mitte.

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Die Ausstattung der sanitären Anlagen ist basic, aber gut da geht man nur hin wenn es unbedingt sein muss.
Das Frühstück gibt es um 7:00 Uhr, Mittagessen von 11:00 – 13:00 Uhr und das Abendessen lasse ich aus, da esse ich Kekse die ich mitgebracht habe.
Nachdem das Schiff beladen ist, schaue ich nochmals nach meinem Fahrrad. Jetzt steht noch eins da und davor noch einige Kisten, die es unmöglich machen es einfach wegzutragen.
Das ganze erste Deck ist mit Paletten Tomaten, Zwiebeln, Melonen und Karotten bis oben hin voll.
Was mache ich nun 2 Tage und drei Nächte auf einem Schiff das den Amazonas hinauf fährt?
Die Nächte, klar da schlafe ich und die Tage hänge ich einfach in der Hängematte ab. Lass die Landschaft an mir vorbeiziehen, und beobachte das Geschehen um mich herum.

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Erteile ein klein wenig Deutschunterricht an meine Hängemattennachbarn und fungiere gelegentlich als Babysitter. Es ist einfach herrlich, gemütlich und nett, keineswegs langweilig. Nur meine Hängematte die könnte etwas größer sein.
Gelegentlich drehe ich ein paar Runden auf dem Schiff und beobachte dabei wie mutige Amazonasbewohner mit ihrem Einbaum das Schiff entern um an Bord zu kommen um uns ihre Waren zu verkaufen.
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Kinder die an das Boot heranbaddeln in der Hoffnung dass sie etwas bekommen. Ein paar Mutige fahren in die Wellen und freuen sich üder das Schaukeln.
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Ich dusche öfters am Tag, denn nach dem Duschen fühlt es sich genau so an wie vor dem Duschen. Das Wasser kommt aus dem Fluss und dahin geht es auch wieder zurück.
Blick aus dem Toilettenluke.

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Mit meiner hellen Haut und den hellen Haaren bin ich natürlich die Exotin hier. Hauptsächlich die Kinder beäugen mich ausgiebig.
Interessant zu beobachten ist auch wer hier mit wem versucht anzubandeln, wer damit Erfolg hat und wer sich etwas betreten zurückzieht.
Gelegentlich klimpert jemand auf der Gitarre und trällert ein Lied dazu. Um ihn herum gruppiert sich eine Fangemeinde und die Stimmung ist einfach herrlich.
Ach ja, um nichts in der Welt wollte ich diese Hängemattenerlebnisse gegen eine klimatisierte Einzelkabine auf einem Luxusdampfer tauschen.
Eine Mutter mit ihrem Kind im Einbaum die den Amazonas überquert.

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Hier wird einiges an Waren den Strom herauf und herunter geschoben.
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Ab und zu halten wir an und jedes mal kommen Händler am Bord um und ihre Waren anzubieten. Es gibt Käse oder Flusskrebse. Ich warte auf Früchte, aber leider gibt es keine. Da es schon lange nicht mehr geregnet hat sind viele Zuflüsse des Amazonas ausgetroknet und so können die Bauern ihre Erzeugnisse nicht in die Städte transportieren. Der Wasserstand des Amazonas ist so niederig wie schon lange nicht mehr.

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Mit dem großen weissen Schiff bin ich gefahren.
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08.10.2010 -11.10.2010 Santarem

Um die Mittagszeit sind wir in Santarem angekommen. Mein Plan war es mit dem Fahrrad gleich weiter zu fahren nach Altar da Chao, aber es war einfach viel zu heiß.
Also mache ich mich auf die Suche nach einem Unterkunft. Ich sehe zwar zwei Hotels, aber von außen machen sie kein besonders einladenden Eindruck. Irgendwie habe ich Sehnsucht nach einer sauberen Dusche und ein Kämmerchen für mich alleine wenn möglich mit Klimaanlage. Ich frage eine nett aussehende Frau und die verweist mit an ein Hotel eine Querstraße weiter. Meine Erwartungen werden ganz und gar erfüllt, ist zwar etwas teuer, aber die Sehnsucht nach einem sauberen Bad ist doch größer als meine Sparsamkeit. Als ich im Hotel einschenke sitzt die Frau an der Rezeption, wir schauen uns an und müssen beide lachen. Ich habe genau die Richtige gefragt, es ist die Besitzerin des Hotels.
Hier gibt es noch mehr Hängematten als in Belem und als ich an einem Stand mir einige Exemplare betrachte, kommt mir die Idee meine etwas zu kleine geratene gegen einen kleinen Aufpreis gegen eine größere umzutauschen. Die Frau geht auf meinen Tauschhandel ein, jetzt habe ich eine größere, bunte Hängematte mit Fransen dran. Bin gespannt wie es sich darin schläft.

Das Museum in Santarem

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Santarem ist ein nettes Städtchen ich bleibe hier und fahre für einen Tag mit dem Bus nach Altar de Chao.
Das Besondere an diesem Ort ist, dass es einen Strand gibt und man möchte meinen man ist am Meer. Nur dass man in Süßwasser badet. Aber heute ist Sonntag, ein heißer Sonntag und ich bin natürlich nicht die einzige die diese Idee hat.

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11.10.2010 – 13.10.2010 Santarem – Manaus (Schiff auf dem Amazonas)

Bevor ich losfahre decke ich mich noch mit 3 Liter Wasser und ein paar Keksen ein. Bananen möchte ich mir auch noch kaufen, aber die haben nur noch ein paar verschrumpelte da. Na, vielleicht finde ich auf dem Weg zum Schiff noch welche, denke ich mir. Tatsächlich steht da auch ein Bananenverkäufer an der Straße, aber irgend etwas hält mich davon ab mir welche zu kaufen.
Um 12:00 Uhr ist einschenken, um 13:00 Uhr geht es los, sagt mir der Fahrkartenverkäufer.
Schon vor 11:00 Uhr bin ich da und dränge mich mit dem Fahrrad in das erste Drittel der Warteschlange vor. Mit der Zeit werden alle ganz unruhig und drängen sich vor zum Tor, jetzt bin ich im letzten Drittel. Das Schiff ist schon da und wird gerade beladen. Womit wohl? Ja, genau mit Bananen.
Um auf das Schiff nach Manaus zu kommen müssen die Fahrgäste erst mal über ein anderes Schiff klettern. Ich stehe etwas hilflos da und wie ich noch am überlegen bin, wie ich mit meinem bepackten Fahrrad da hinüber kommen soll, sind auch schon zwei Männer da, die mein Problem lösen und mein Fahrrad auf das erste Schiff heben. Sie manövrieren mein Fahrrad auf die andere Seite, ich immer hinterher. So, und jetzt? Da ist schon wieder einer da, der meint ich soll das Gepäck abnehmen, er reich mir dann alles hinüber. Bis ich über die Reeling auf das Schiff, das mich mach Manaus bringen soll, geklettert bin, ist das Fahrrad samt Gepäck auch schon da.
Die Hilfsbereitschaft ist echt klasse hier.
Das Fahrrad wird unter Deck verstaut und ich gehe nach oben um mir einen Hängemattenplatz zu ergattern. Aber hier ist fast jeder Haken belegt. Ein Crewmitglied findet noch einen freies Plätzchen.
Meine schöne bunte Fransenhängematte hat in dieser Enge keine Chance zur Geltung zu kommen, denn hier hängt alles dicht an dicht.

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So, von mir aus kann es los gehen! Aber bevor nicht alle Bananen an Bord sind passiert nichts.

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Dann geht es los, aber nach 5 Minuten kommt die Wasserpolizei an Bord und überprüft die Schwimmwesten. Einige werden entfernt, dann fährt das Polizeiboot weg und wir steuern eine Sandbank an und warten und warten... Dann kommt das Polizeiboot zurück und verschwindet nach 5 Minuten wieder und erst jetzt kann es los gehen, mittlerweile ist es 15:00 Uhr.
Meeting of the Water, heißt diese Stelle. Hier fließt der Rio Tabajos in den Amazonas, da die Flüsse verschiedene Sedimente mit sich befördern, die sich unterschiedlich auf wärmen, hat das Wasser eine unterschiedliche Temperatur und vermischt sich nicht gleich.

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Normalerweise steht hier alles unter Wasser.
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Bei Sonnenaufgang kommen wir in Manaus an.
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Manaus vom 13.10.2010 - 15.10.2010
Das erste was mir auffällt als ich an Land gehe, ist die Brücke die gerade gebaut wird und das Schild an der Hafenmauer das die Wasserstände anzeigt.
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Ganz schön was los wenn ein Schiff ankommt. Ich finde die Amazonasschiffe einfach schön.
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Manaus ist die dreckigste Stadt die ich bis jetzt in Brasilien gesehen habe. Die Menschen werfen den Abfall einfach auf die Straße oder in den Fluss und die Stadtverwaltung kümmert sich einen Dreck um den Dreck.

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Ein fast ausgetrocknetes Flussbett, wenn das Wasser weg ist kommt der Müll zum Vorschein.
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Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich einen Apfelbuzen in den Amazonas werfe. Jedenfalls wird es in 10 000 Jahren eine Fundgrube für die Archäologen sein.
Auf der Suche nach einem Highlight finde ich das Opernhaus und drum herum ist es auch sauber.

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Dahinter ist das ehemalige Justizgebäude, in dem derzeit eine Ausstellung dieser Skulpturen ist. Das sind echt gute Arbeiten, alle werde ich natürlich hier nicht veröffentlichen.

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Den botanischen Garten hätte ich auch gerne besucht, leider hat er geschlossen. Aber im Eingangsbereich finde ich diese interessanten Pflanzen.

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Mein Hängemattenabenteuer geht natürlich weiter und wieder in einer neuen Hängematte. Im Hostel habe ich einen jungen Mann aus Deutschland getroffen, der am Morgen in aller Frühe aufs Schiff musste und keine Hängematte hatte. Also habe ich ihm meine verkauft und ich habe mir wieder eine neue Hängematte gekauft. Mal sehen wie ich darin schlafen werde.

15.10.2010 - 20.10.2010 Manaus - Tabatinga (Schiff auf dem Amazonas)

Jede Etappe auf dem Amazonas ist eine spezielle, jedes Schiff, dessen Fahrgäste, die Crew und die Abläufe auf dem Schiff habe ihre Eigenarten. Schon der Weg auf das Schiff war dieses mal ein ganz anderer. Der Fahrkartenverkäufer sagte mir ich soll um 9:00 Uhr da sein, mit dem Taxiboot werde ich dann auf das Schiff gebracht, um 14:00 Uhr ist Abfahrt. Ich sage ihm dass ich auch mit dem Fahrrad hinfahren kann, denn ich möchte nicht auch noch was für die Taxibootfahrt bezahlen. Er meinte das kostet nichts, o.k.
Das Taxiboot ist ein kleines aus Metall gefertigtes Boot und da soll mein Fahrrad und mein Gepäck rein. Gut das hat auch geklappt, es hat sogar noch eine Styraporkiste mit Fischen und deren Besitzerin darin Platz. Bei der Abfahrt bekomme ich eine Ladung des schwarzen Wassers des Rio Negro ab und triefe vor Nässe. Aber es ist nicht kalt und ich trockne schnell wieder. In drei Minuten bin ich beim Schiff das mich nach Tabatinga, an das Dreiländereck Brasilien, Kolumbien und Peru, bringen soll. Natürlich will das Taxiboot 10 Real von mir haben. Touristenabzocke denke ich mir, denn ich sehe dass ich genau so gut mit dem Fahrrad hätte direkt hinfahren können. Ich werde ganz schön sauer, nicht wegen der 10 Real, sondern weil der Typ mich angelogen hat und das mag ich nun mal gar nicht. Ich gebe ihm 5 Real und sage ihm, dass ich nicht mehr habe, da ich aus Brasilien ausreisen werde. Soll er sich den Rest doch beim Fahrkartenverkäufer holen.
So zeitig wie ich auf dem Schiff bin, habe ich eine gute Auswahl für ein Plätzchen an dem ich mich für die nächsten 5-6 Tage niederlasse. Während sich das Deck füllt, beobachte ich wer sich scheinbar intuitiv neben wem nieder lässt. Ich bin schon sehr gespannt wie sich das im Verlauf der Reise entwickeln wird. Zu früh freue ich mich über das Platzangebot das ich hier habe. Kurz vor Abfahrt quartiert sich rechts neben mir eine Familie ein. Eine Mutter mit zwei Mädels und einem jungen Mann, es scheinen Geschwister zu sein, und einem süßen rotblonden 6 Monate alten Enkel. Als wir schon auf Fahrt sind, ändert ein Herr in meinem Alter seine Meinung und will sich zwischen mich und meinen linken Nachbar quetschen. Ich schaue ihn entrüstet an und sage ihn dass das aber eng wird. Der linke Nachbar meint aber, es rückt noch etwas zur Seite dann geht das schon. Anscheinend hat mein neuer linker Nachbar ein etwas sensibles Gemüt, denn er würdigt mich keines Blickes mehr. Auch gut, ich hoffe er macht sich recht dünn.

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Ganz in der Nähe von Manaus treffen der Rio Negro und der Rio Solimoes aufeinander und fließen etwa 6-7 km nebeneinander her ohne dass sich das Wasser vermischt. Meeting of the Water heißt die Stelle, wir passieren sie nach etwa einer Stunde fahrt.
Wie Kaffee und Milch, nach dem Zusammenfluss gibt es Milchkaffee.
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Der erste Tag ist ein reiner Orientierungstag, ist doch alles neu außer dem braunen Fluss und dem Ufer. Als ich am Abend gerade dusche erklingt ein dreimaliger Klingelton. Was hat das wohl zu bedeuten? Wie ich aus der Dusche komme, sind alle schon am Essen. Aha, 3 x klingeln = essen fassen. Ich schnappe meinen Kochtopf von meinem Campinkoch-Set und einen Löffel und folge dem Duft nach unten. Mit einer riesigen Kelle schöpft mir der Koch aus einem riesigen Kochtopf, Eintopf in mein Behältnis.

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Mehrmals am Tag tutet es, mit der Zeit erkenne ich deren Bedeutung. 3 x tuten bedeutet für den Maschinisten, ACHTUNG. 2 x tuten bedeutet halbe Fahrt, bei einem einmaligen tuten drosselt er die Maschinen nochmals. Tutet es wieder 2 x dann steigert sich die Geschwindigkeit und bei einem dreimaligen tuten geht es wieder auf volle Fahrt. Da der Wasserstand sehr niedrig ist, wiederholt sich das ganze des öfteren am Tag und in der Nacht.
Am nächsten morgen werde ich durch ein penetrantes dreimaliges klingeln aus dem Tiefschlaf gerissen. Punkt 6:00 Uhr gibt es Frühstück, Brötchen mit Milchkaffee. Wer will kann auch noch etwas Margarine darauf schmieren, ich tunke meine Ration in den Milchkaffee und schlürfe die Brötchen auf.
Da es nach der ersten Nacht meiner Reise für jede weitere Aktion viel zu früh ist, ziehe ich mich wieder in meine Hängematte zurück, ziehe mir erneut meine Decke über den Kopf und schlummere vor mich hin. Ungewollt höre ich der Musik des übernächsten Nachbarn zu meiner Linken zu, die mich davon abhält nochmals einzuschlafen. Irgendwann wird es mir dann zu warm und ich gehe duschen. Da die Duschen in den Toiletten sind, sehe ich, dass einige meiner Mitreisenden das Phänomen der Toilettenspülung noch nicht entdeckt hat. Danach wasche ich die getragene Wäsche, schreibe meine Erlebnisse auf und warte sehnsüchtig auf den dreimaligen Klingelton, der mir das Mittagessen bescheren soll.
Der Herr der Kochtöpfe schaut immer missmutig drein aber er versteht sein Handwerk das Essen ist wirklich gut. Das Essen besteht immer aus den selben Grundlagen. Das sind Reis, zu kurz geratene Spaghetti und dunkle Bohnen. Was dem täglichen Gericht die Geschmacksnuancen gibt, das ist das Fleisch, der Fisch oder die Hähnchen die es im täglichen Wechsel dazu gibt. Da ich kein Fleisch esse, gebe ich mich an den Fleischtagen mit den Grundlagen zufrieden. Die Essensreste werden einfach über Bord geworfen, leichte Beute und ein Gaumenschmaus für die Piranhas.

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Nach dem Mittagessen macht die Hitze jede Aktion zunichte. Selbst das Denken treibt einem die Schweißperlen an die Peripherie des Körpers. Ich gebe mich der Tiefenentspannung in der Hängematte hin. Als ich wieder aufwache hängt der Himmel voller Wolken und die Schwüle ist unerträglich geworden.
Ich hoffe, dass der Fahnenmast die tief hängenden Wolken auf kratzt und der Regen die erhoffte Abkühlung bringt.
Ein paar Blitze zucken über den Horizont, dann öffnet der Himmel seine Schleusen und das was es vorher zu warm war, ist es jetzt zu kühl.

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Der Tagesablauf bleibt im großen und ganzen immer der gleiche. Ich lasse die Zeit wie die Uferlandschaft mit dem dahinter liegenden undurchdringlichen Regenwald an mir vorbeiziehen. Am Abend genieße ich die herrlichen Sonnenuntergänge.

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Siedlungen gibt es in diesem Abschnitt des mächtigsten Stroms dieser Erde, nur ganz wenige. Einmal kommt ein Amazonasbewohner an das Schiff und verkauft Acai. Das ist ein tief roter, dicker Fruchtsaft. Er schmeckt ohne Zucker etwas herb, aber da er sehr gesund sein soll, kaufe ich ihm eine Plastiktüte voll ab, gieße sie in meinen Kochtopf und löffle sie aus.

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Wenn wir nahe am Ufer fahren, hört man die Laute der Urwaldbewohner. Gelegentlich flattern Schmetterlinge über das Schiff, Schönheiten die ich zuvor noch nie gesehen habe. Ich wünsche mir, dass sie für ein Photoshuting stillhalten um sie in meine Photosammlung aufnehmen zu können. Aber da es auf dem Schiff keine Blüten gibt flattern sie weiter ans andere Ufer.
Immer mal wieder tauchen Flussdelfine auf, jedoch zu kurz um sie fotografieren zu können.
An den Rändern der Bäume ist zu erkennen wie hoch der Wasserstand während der Regenzeit ist.
Was die zwischenmenschlichen Beziehungen betrifft, so ist es eher lau auf dem Schiff. Die Meisten reisen mitsamt der ganzen Familie und die paar Alleinreisenden heulen einem zurückgelassenen Amore nach oder freuen sich auf die Familie zu Hause. Ich selbst habe Kontakt zu einem französischen Pärchen, das in Französisch Guyana seine sechsmonatige Reise durch Südamerika gestartet hat. Schon im Hostel in Manaus ist mir ein exotischer junger Mann mit Rasterlocken aufgefallen, der ebenfalls mit dem Schiff nach Tabatinga reist. Er kommt aus Sumarine und macht eine Rundreise über Venezuela – Brasilien – Kolumbien – Venezuela und wieder zurück nach Hause. Er dokumentiert seine Reise anhand einer Karte und möchte ein Buch herausbringen.
Auf dem Dach des Schiffes befindet sich eine Satellitenschüssel, sodass keiner die gewohnten Soaps, die in der darunter liegenden Bar in Fernseher laufen, verpassen muss.

Wie bei Hempels unterm Sofa sieht es über und unter den Hängematten aus.

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Am Dienstag den 19.10.2010 machen wir in Santo Antonio de Ica die erste längere Pause. Die Ankunft des Schiffes, das eine Menge Waren in die Stadt bringt, wird schon sehnsüchtig erwartet.

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Ich passe auf, dass nicht aus Versehen mein Fahrrad abgeladen wird.

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Ein eingespieltes Team läd den Wochenbedarf an Bier ab. Erst kommen die kleinen Gebinde dann die Großen. Die Jungs strotzen vor Muskeln.

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Hier wird Fisch verkauft, muss was besonderes sein, denn in 10 Minuten ist er weg.
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Unser Koch stemmt eine Wassermelone.
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Am Mittwoch den 20.10 2010 halten wir in Sao Paulo de Olivenca, auch hier wird wieder Ware ausgeladen. Da hier einige der Mitreisenden das Schiff verlassen, habe ich endlich viel Platz um mich in meiner Hängematte auszustrecken.

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Am Donnerstag den 21.10.2010 um 3:30 Uhr werde ich durch lautes Gerede aus dem Tiefschlaf gerissen. Als ich zur Toilette gehe, sitzen da vier junge Frauen auf ihren Hängematten und ratschen wie beim Nachmittagskaffee. Alle vier aufgetackelt bis in die letzte Haarspitze und in High Heels. Als ich sie frage was los ist, meinen sie, wir sind da. Ich schaue hinaus und sehe nichts als dunkle Nacht und dass das Schiff immer noch volle Fahrt hat. Schlafen konnte ich natürlich nicht mehr und nach zwei Stunden waren wir dann auch tatsächlich in Tabatinga.
Da Tabatinga meine letzte Station in Brasilien ist, brauche ich hier einen Ausreisestempel. Die Migration öffnet erst um 8:00 Uhr, ich habe also noch etwas Zeit um mit dem Fahrrad ein paar Runden zu drehen, um mir einen Überblick zu verschaffen. Ich glaube ich bin hier am Ende der Welt angekommen, jedenfalls am Ende Brasiliens.
Um 8:00 Uhr hole ich mir dann den Ausreisestempel. Von hier aus habe ich die Möglichkeit nach Kolumbien oder Peru zu reisen.
Während ich warte komme ich in den Genuss, den Herren beim Frühsport zuzusehen.

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Ich entscheide mich für Peru. Peru liegt aber auf der anderen Seite des Flusses und um dahin zu kommen, muss ich mit dem Taxiboot über den Fluss nach Santa Rosa. Von Santa Rosa aus gibt es zwei Möglichkeiten um nach Iquitos zu kommen, entweder mit dem Speedboot oder mit dem Slowboot. Das Speetboot braucht 11 Stunden und fährt täglich um 5:00 Uhr in Santa Rosa ab. Das Slowboot braucht 3-4 Tage und fährt irgendwann von Santa Rosa nach Iquitos. Da ich mein Fahrrad nicht mit dem Speedboot befördern kann, nehme ich halt das Slowboot. Ich miete mich mal für eine Nacht in Santa Rosa in einer Poussada ein, schwitze so vor mich hin und harre der Dinge.
In Santa Rosa gibt es keinen Geldautomaten und da die Besitzerin Real von mir haben will, muss ich nochmals über den Fluß nach Tabatinga. Bei der Gelegenheit erfahre ich, dass das Slowboot morgen fährt. Am Bankautomaten kann ich zwar Real ziehen, aber für das Slowboot brauche ich Soles, die peruanische Währung. Also zur Wechselstube, da stehe ich von verschlossenen Türen, also weiter zur Grenze nach Kolumbien, da bekomme ich dann meine Soles.
Auf dem Rückweg esse ich noch was, kaufe vier Liter Wasser und ein paar Kekse.
Als ich mit dem Taxiboot wieder übersetze, sehe ich dass das Slowboot etwas weiter oben am Ufer angelegt hat. Ich gehe hin und frage wann es nach Iquitos fährt. Heute fährt es noch an einen anderen Ort, morgen Mittag ist es wieder in Santa Rosa und um 19:00 Uhr soll es nach Iquitos abfahren.
Zurück in der Poussada wünsche ich mir nichts sehnlicher als eine Dusche. Ganz stolz hat mir die Besitzerin der Poussada das Bad vorgestellt, bestimmt das schickste Bad im Dorf. Dusche, Toilette mit Spülkasten und Waschbecken, aber kein fließend Wasser. Dafür steht in der Ecke eine Tonne Wasser mit einer Schöpfkelle drin. Da an mir alles klebt und ich mich schon riechen kann, gönne ich mir eben eine Schöpfkellendusche. Dabei leistet mir eine riesige Kakalake Gesellschaft. Da das wohl ihr Zuhause ist, respektiere ich das und lasse sie zufrieden. In wärmeren Regionen gibt es diese Tierchen nun mal wie bei uns die Marienkäfer. Anschließend gehe ich dann zur Migration und hole mir den Einreisestempel für Peru.

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Santa Rosa besteht hauptsächlich aus einer 3 km langen Straße in der sich das Leben abspielt. Fast jedes Haus in der Straße mach mit irgendwas ein Geschäft. Jeder der in dieser Ecke der Welt von Kolumbien oder von Brasilien nach Peru reisen will, oder umgekehrt, muss durch dieses Dorf. Hier ist die Migration und von hier fahren die Schiffe ab.

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Ein Taxiboot, damit überqert man den Fluss.23791288641189img-1.jpg
Der Reis ist reif und wird von Hand vor der nächsten Regenzeit geschnitten.65821288641321img-1.jpg
Da drüben ist Kolumbien.87091288641400img-1.jpg

22.10.2010 – 25.10.2010 Santa Rosa – Iquitos (Schiff auf dem Amazonas)

Weiter geht die Durchquerung des Kontinents auf dem Wasserweg.
Da das meine vierte Flussfahrt auf dem Amazonas ist, weiss ich ja schon wie es geht, denke ich mir. Aber da ich in Peru bin ist natürlich alles anders, außer das braune Wasser des Amazonas.
Während die Amazonasschiffe in Brasilien nicht nur zweckmäßig sondern auch ästhetisch sind, sind die Schiffe in Peru nur zweckmäßig und basic. Doch die Art des Reisens macht mir immer noch Spaß und ist spannend.

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Um 12:00 Uhr soll das Schiff ankommen, um 14:30 Uhr ist es dann auch tatsächlich da und um 19:00 Uhr geht es dann auch tatsächlich los. Der erste Stopp den ich bewusst mitbekomme, ist im Morgengrauen in Caballococha.

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Kisten werden mit Eis zum kühlen der Fische gefüllt, die mit einer Kettenwinde auf das Schiff gehievt werden und mit nach Iquitos gehen.

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Da Wochenende ist, sind viele unterwegs um Verwandte zu besuchen, ständig habe ich neue Hängemattennachbarn. Wie ein Bus sammelt das Schiff die Wartenden der Dörfer am Ufer auf. Das schöne ist, ich kann mich wieder einigermaßen gut verständigen, Mann – Frau spricht spanisch. Links neben mir hat sich Jose, ein älterer Herr niedergelassen an dessen Händen die vorderen Fingerglieder fehlen und erst im weiteren Verlauf der Reise sehe ich, dass auch seine Füße in Spezialschuhen stecken. Jose kennt wohl jeden, denn er wird oft gegrüßt und viele halten mit ihm ein Schwätzchen. Von mir will der alles wissen und ich erzähle ihm von meiner Reise. Sehnsüchtig meint er, wie schön muss es sein um die Welt zu reisen.
Der zweite längere Stopp ist in Chimbote, die Polizei kommt an Bord und kontrolliert den Ausweis und bei einigen das Gepäck.
Sie bringt den Reisenden frische Kokosmilch an Bord.

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Beim betrachten der Dörfer fühle ich mich um 200 Jahre zurückversetzt. Ich bin zwar noch nicht so alt, aber ich kann mir vorstellen, dass es in manchen Dörfern in Deutschland so ähnlich ausgesehen haben könnte. Mir wird bewußt dass ich in der ersten Reihe, in diese Welt hinein geboren wurde.

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Kein Strom, kein fließend Wasser, kein Festnetz, Sandwege und die Kinder springen Barfuß umher. Gelegentlich sehe ich eine Satellitenschüssel auf einem Dach, der Strom liefert ein Generator. Wenn das Schiff kommt, steht das ganze Dorf am Ufer.
Der dritte längere Halt an diesem Tag ist in San Pablo, viele der Mitreisenden verlassen hier das Schiff. Etwa 7000 Einwohner hat die Stadt und erst hier erfahre ich, dass San Pablo, die Stadt im Herzen Amazoniens, eine Leprakolonie ist. Jetzt verstehe ich auch warum an Joses Händen die vorderen Fingerglieder fehlen und seine Füße verstümmelt sind. Auch er verlässt das Schiff hier. Bei späteren Internetrecherchen erfahre ich dass der Ort durch den Film „Die Reisen des jungen Che“ (Che Guevara), der den Ort besucht hat, bekannt wurde.
Immer wieder werden Waren wie Reis, Bananen, Holz, Fische und Mais zu geladen. Auch ein Schwein begleitet uns auf unserer Reise das in Iquitos das Schiff verlässt und wohl in Belen auf dem Markt sein Ende finden wird.

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Diese Etappe auf dem Amazonas bietet eine Menge Abwechslung, denn es sind vier Mitreisende aus Deutschland und zwei junge Kolumbianer an Bord. Die beiden Kolumbianer haben sich zum Ziel gesetzt 300 Angelruten, die sie in Kolumbien erstanden haben, in Peru zu verkaufen. Denen begegne ich noch 2x in Iquitos, immer mit Angelruten bestückt, die sie an den Mann bringen wollen. Bei der ersten Begegnung hatten sie noch keinen Erfolg, bei der 2. Begegnung hatten sie bereits 5 Angelruten verkauft. Ich wünsche ihnen viel Erfolg!
Bei den deutschen Mitreisenden handelt es sich um zwei Jungs, die für ein halbes Jahr in Südamerika unterwegs sind und um Isa und Stefan, die ihre Jobs gekündigt haben um für ein Jahr die Welt zu bereisen.

25.10.2010 – 27.10.2010 Iquitos

Iquitos wurde einstmals von einem Jesuitenorden gegründet und erlebte im 19. Jahrhundert ihren Auf- und Abschwung durch den Kautschukboom. Heute leben in der Stadt mitten im Jungle, die nur mit dem Schiff oder mit dem Flugzeug zu erreichen ist, etwa 400 000 Einwohner.
In Iquitos gibt es nicht viele Autos, warum auch, man kann ja nirgends hin fahren. Dafür surren 20 000 Mototaxis, die ich im Folgenden Töfftöff nenne, durch die Stadt. Natürlich versuche ich die Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden, aber nach einer Stunde lasse ich es bleiben, denn ich fühle mich dauernd im Weg, von den Töfftöffs umzingelt und mir brummt von dem gesurre der Kopf.

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Man beachte die Aircondition des Sitzes!
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Collectivo heißen diese Busse, sie sind die preiswertere Variante des Transportes.
Einfach auf das Video klicken, dann kann man das gesurre miterleben.

Amazonien, Peru, Iquitos from reisendleben on Vimeo.


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Während der Regenzeit steht hier alles unter Wasser und die Häuser schwimmen obern auf.
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Zusammen mit Isa und Stefan quartiere ich mich in einem Hostel ein und gemeinsam besuchen wir den Markt im Stadtteil Belen. Ich habe ja schon in Asien einige kunterbunte Märkte gesehen, aber das ist mit Abstand der unhygienischste. Während der Regenzeit stehen große Teile von Belen, wo 60 000 Menschen ihr Dasein fristen, unter Wasser und man kann mit dem Boot durch den Markt schippern. Hier ein ganz kleiner Auschnitt von der Vielfalt des Marktes.

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Keine Ahnung wer wie die Rinderfüße zubereitet und ißt.
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Die Kuttelabteilung (Schweinemagen)
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Dazwischen etwas Obst und Gemüse.
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Die Fischabteilung.
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Was für ein Kraut wohl in den Zigaretten ist?
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Dass Schildkröten geschützt sind das interessiert hier keinen. Die noch lebenden liegen gefesselt unter dem Tisch.
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Von Isa und Stefan verabschiede ich mich, die Beiden setzten ihre Reise auf dem Luftweg fort. Wo sie schon überall waren und wo sie noch überall sein werden kann man auf ihrer HP >klick hier< nachlesen. Euch kennen zu lernen und mich mit euch auszutauschen war für mich eine besondere Freude. Die Erde ist ja bekanntlich rund und wer weiss vielleicht kreuzen sich unsere Wege nochmals.

Schmetterlinge gehören zu meinen Lieblingstieren und auf einer Karte sehe ich, dass in der Nähe eine Schmetterlingsfarm ist. Um dahin zu kommen fahre ich zunächst mit einem Töfftöff zum Puerto y Mercado de Bellavista Nanay und steige dann um in ein Collectivoboot das mich auf dem Nanay River in 20 Minuten zu dem Ort Padre Cocha bringt. Da warten schon weitere Töfftöffs, mit einem lasse mich zur Schmetterlingsfarm kutschieren.
Das sind die Collectivoboote.

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Vor vielen, vielen Jahren kam Gudrun Sperrer aus Österreich an diesen Ort um die Schmetterlingsfarm zu gründen. Immer wieder wurden auch Jungtiere zu ihr gebracht die sie aufgezogen hat. Gudrun hat eine Fülle an Wissen nicht nur über Schmetterlinge und ich empfehle jedem der in diese Gegend reist, die Farm zu besuchen. Mehr kann man auf ihrer Webseite >klick hier< erfahren.

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So einen großen Schmetterling habe ich noch nie gesehen.
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Da laust mich doch tatsächllich der Affe.
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Der rote Huacary ist eine vor dem Aussterben bedrohte Affenart, die es nur im Amazonasgebiet gibt. Als Babys wurden sie bei Gudrun abgegeben, die sie aufpäppelte.
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Auch Pedro Bello, der prachtvolle Jaguar kam als Baby hier her.
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27.10.2010 – 31.10.2010 Iquitos – Yurimaguas (mit dem Schiff auf dem Amazonas)

Für die Brasilianer und Peruaner ist es unverständlich dass eine Frau alleine reist. Entweder reist Frau mit einem Mann, einer Familie, einer Freundin oder mit einem Amore. Wenn nicht, dann sucht man sich einen oder eine auf dem Schiff. So werde auch immer wieder gefragt wie ich heise, woher ich komme, ob ich verheiratet bin und wie alt ich bin. Nachdem ich immer alles wahrheitsgemäß beantwortet habe, bekomme ich von den alleinreisenden Herren, egal welchen Alters, ein eindeutiges Angebot. Da ich aber kein Interesse an einem Techtelmechtel mit den Herren habe, lehne ich ab. Nach weiteren 5 Minuten Smalltalk ziehen sich die Herren dann auch ohne aufdringlich zu werden, wieder zurück.
In Iquitos beginnt die Zeremonie schon als ich das Schiff betrete. Da ich aber absolut keine Lust auf das Gebaggere habe, erfinde ich eine Notlüge. Ich sage dass ich schon alt bin und mein Mann gestorben ist. Seltsamer weise legt sich ein weinerlicher Ton in meine Stimme als ich das sage. Das muß sich herumgesprochen haben, denn während der ganzen Reise habe ich meine Ruhe und werde sehr respektvoll und zuvorkommend behandelt. Anscheinend haben Witwen in diesem Land einen besonderen Status.
Ich gebe mein Fahrrad ab und muss das erste mal was für den Transport bezahlen. Im Rumpf des Schiffes sieht es noch ziemlich leer aus und Mitreisende sind auch noch nicht viele da. Nachdem ich meine Hängematte platziert habe, kommen noch zwei Mädels aus den USA. Bei einsetzender Dunkelheit erfahren wir, dass sich das Schiff heute nicht mehr in Bewegung setzen wird. Wegen eines Streiks wurde von den Indios der Fluss gesperrt. Wir können jedoch auf dem Schiff übernachten, Frühstück und Mittagessen sind frei.

Viele Schiffe warten auf die Weiterfahrt.
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Da der Wasserstand sehr tief ist, muss die Ware auf das Schiff und vom Schiff getragen werden.
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Wo diese Busse wohl hinreisen?
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Nach dem Frühstück sagt man uns dass dieses Schiff auch heute nicht fährt, sondern das Nachbarschiff. Ich beobachte wie die ganzen Waren samt meinem Fahrrad auf das Nachbarschiff verladen werden. Nach dem Mittagessen ziehen dann auch die Passagiere auf das Nachbarschiff um. Wir sind ja schon sehr am rätseln ob das Schiff heute abfahren wird. Tatsächlich, pünktlich um 18:00 Uhr wird der Motor angeworfen und ab geht die Fahrt. Ich gehe nochmals nach unten um nach meinem Fahrrad zu sehen, aber Alberto der Zuständige für den Warentransport, versichert mir dass es da ist.

Eine einfache Hütte auf dem Fluß.
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Ein Dorf wartet auf die Ankunft des Schiffes. Viele der Frauen kommen an Bord um Früchte und selbst zubereitete Speisen zu verkaufen.
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Sie fahren ein Stück mit und werden von den Angehörigen beim nächsten Halt wieder abgeholt.
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Immer wieder wird Reis zugeladen, der in die Städte geliefert wird.
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Ein blinder Passagier, der schon bei Tagesanbruch anfängt zu quaken und erst aufhört nachdem er was zu fressen bekommen hat.
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Auch hier fließen zwei Flüsse mit unterschiedlichen Sedimenden zusammen.
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Wie große weise Blüten sehen die Vögel auf den Bäumen aus.
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Mit diesen beiden stimmungsvollen Bildern verabschiede ich mich aus Amazonien. Die einmonatige Reise auf dem Amazonas quer durch den südamerikanischen Kontinent war eine wunderbare Erfahrung und gehört zweifellos zu den Highlights meiner Weltreise.
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