Erlebnisbericht zum Erdbeben in Chile am 27.02.2010
Am 23.02.2010 kam ich zurück von der Osterinsel und kümmerte ich mich an den folgenden Tagen um mein Notebook das schon seit einiger Zeit nicht mehr funktionierte und schrieb meine längst überfälligen Reiseberichte. Am Samstag den 27.02.2010 wollte ich Richtung Norden weiterfahren, doch in den frühen Morgenstunden gegen 3:30 Uhr ereignete sich ein schweres Erdbeben.
Da ich gut ausgeschlafen sein wollte, schlief ich in dieser Nacht mit Schlafmaske und Ohrenstöpsel. Als ich das Erdbeben spürte, war ich sofort hellwach, nahm die Schlafmaske ab, die Ohrenstöpsel raus und wartete noch zwei Sekunden ab, um zu sehen ob es gleich vorbei sein würde.
Was für ein schreckliches Geräusch wenn die Erde krächzt.
Aber von oben rieselte schon der Putz auf mich herab. Mit einem Satz war ich aus dem Bett und rannte barfuss und im Schlafanzug die Treppe hinunter mit dem Gedanken "nichts wie raus hier" zum Ausgang. Dieser war verschlossen. Hinter mir her kam noch ein Pärchen, die hatten gar nichts an. Die Wände des Hotels wackelten gehörig, es ist ein altes Gebäude.
Da ich mein Fahrrad im Hof hatte, kannte ich den Weg zum Hinterausgang und wir rannten alle drei durch den Fluor in Richtung Hof. Dort standen schon die anderen Gaeste und die Nachtwache des Hotels unter dem Türrahmen.
Eine Frau rauchte seelenruhig eine Zigarette und ich sagte ihr sie solle sie doch ausmachen, falls eine Gasleitung zerstört ist.
Nach unendlich langen 4 Minuten, mir kam es vor wie eine halbe Stunde, hörten die Wände auf zu wackeln und es wurde still und dunkel. Der Strom war ausgefallen und die Telefone funktionierten nicht. Wir warteten noch etwas ab, dann gingen wir in den vorderen Bereich des Hotels, dort war die Notbeleuchtung angegangen.
Ich ging nach Oben um meine Sachen zu holen, da hörte ich Wasserrauschen. Zuerst dachte ich es regnet, aber als ich aus dem Fenster sah, erblickte ich den Mond.
Eine Wasserleitung war über meinem Zimmer geplatzt und das Wasser lief von der Decke der Wand entlang hinunter. Der Fernseher lag auf dem Boden und da alles dunkel war, suchte ich tastend meine Sachen zusammen und ging hinunter.
Kurze Zeit später kam der Besitzer des Hotels und brachte uns in ein nahe gelegenes zweites Hotel. Dies ist ein neueres Gebäude bei dem die Wände aus Beton sind. Trotzdem sind Risse in den Wänden, der Decke und einige Fließen sind gesprungen. Zwei Gebäude neben dem Hotel ist ein Kirchturm herabgestürzt. Als es hell wurde, ging ich hinaus auf die Straße, überall lagen Scherben von den zersprungenen Fensterscheiben und Putz der von den Wänden fiel.
Den ganzen Tag über und in der kommenden Nacht gab es Nachbeben und die Geschäfte blieben geschlossen.
Noch nie zuvor war ich in einer lebensbedrohlichen Situation gewesen. Ich besitze ja wirklich nicht viel, doch auf das Wenige habe ich immer gut aufgepasst. Aber in dem Moment des Bebens habe ich in keiner Sekunde an mein Hab und Gut gedacht, sondern bin nur um mein Leben gerannt.
Mir wurde bewusst wie schutzlos und hilflos wir den Mächten der Natur ausgeliefert sind und wie unbedeutend in einer solchen Situation die materiellen Dinge sind.
Die Stadt Santiago de Chile blieb von Schlimmerem verschont, doch südlich der Stadt wurden viele Gebäude und Strassen zerstört.
Über 700 Menschen sind bei diesen Erdbeben in Chile ums Leben gekommen.